Über

Ich bin 53, Single und lebe mitten im Ruhrgebiet. Seit einigen Jahren bin ich begeisterte Katzenhalterin und habe den Umgang mit Katzen zu meinem Beruf gemacht.

 


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Ich heiße Schröder.Ich finde, dieser Name passt zu mir. Besser jedenfalls als der Name, den man mir im Tierheim gegeben hatte - dort hieß ich „Crash“… was für ein unpassender Name!Als ich in mein neues Zuhause kam, gab es da schon eine schwarze Katze, die eine ziemliche Zicke war. Aber ich fange mal ganz von vorne an.Im September 2013 war ich mit vielen anderen Katzenkindern in einem Zimmer im Tierheim Recklinghausen untergebracht. Hat ein bisschen genervt – ich war ja schon ein halbes Jahr alt, und außer meinen Wurfgeschwistern waren alle anderen viel jünger. An Ruhe war da kaum zu denken. Deswegen hab ich mich immer etwas im Hintergrund gehalten – auch wenn Besucher kamen. Allerdings kam auch niemand, bei dem ich hätte wohnen wollen. Bis eines Tages eine Frau mit ihrer besten Freundin und deren drei Kindern kam. Zuerst dachte ich, „Och neee nicht schon wieder so viel Rabatz!“. Sie kam dann auch mit den Kindern in unser Zimmer. Die anderen Kätzchen rannten natürlich gleich hin, aber ich blieb hinten auf meinem Platz auf dem Kratzbaum sitzen.Und dann geschah etwas, was ich toll fand. Die Frau schickte die Kinder raus und setzte sich ganz ruhig auf die Fensterbank. Sie lockte nicht, sie redete nicht, sie wartete einfach ab. DAS fand ich klasse und lief zu ihr rüber – diesen Menschen wollte ich mir mal genauer ansehen. Und als wir uns das erste Mal in die Augen schauten, wusste ich – jaaaaa DA will ich hin. So schnell ich konnte, krabbelte ich an ihrer Jeans und Jacke hoch, legte meinen Kopf an ihre Schulter und konnte gar nicht aufhören zu schnurren. Was soll ich sagen – beiderseits Liebe auf den ersten Blick. Damit nicht genug – sie sagte nicht einfach zu den Tierheimleuten „Den will ich haben“, sondern hat mir erstmal ganz in Ruhe erzählt, dass bei ihr schon eine erwachsene Katze wohnt, die es schwer gehabt hatte und deswegen öfter mal rumzickt, aber dass sie für dieser Katze einen Spielkameraden sucht und ob das für mich ok wäre. Klar war das ok!!! Am liebsten wäre ich sofort mitgekommen. Aber ich sollte erst noch mal entwurmt werden. Iiiiiiiigitt… ich hasste es!Drei Tage später war es dann soweit. Ich war sooo aufgeregt! Da machte es mir auch nix aus, in die enge Transportbox gesperrt zu werden. Als wir dann an meinem neuen Zuhause ankamen, ließ mein neues Frauchen mich erst mal in der Box. Fand ich zuerst gar nicht gut – aber als dann die Katze, die dort schon wohnte, ankam und mich durch die Gitter der Box erst mal anbrummte, war ich doch ganz froh, dass sie nicht an mich rankam.Mama stellte dann die Box in ein Zimmer, das sie „Küche“ nannte, und ließ mich dort raus. Da war alles, was ich brauchte. Sie setzte mich zuerst aufs Katzenklo – keine Minute zu früh! Dann schaute ich mich um. Futter, Wasser, ein Bettchen mit zwei Kuscheltieren, ein kleiner Kratzbaum und eine Kratzpappe… alles da. Sie blieb auch erst mal bei mir – ließ mich in Ruhe, aber war einfach da. Das hat mich schon beruhigt, weil ich die andere Katze durch die Türe brummen hören konnte. Nach einer Weile war ich soooooooo müde und musste erst mal mein Katzenbettchen einweihen. Hach das war sooo kuschelig! Ich hab mich an den Teddy gekuschelt und bin sofort eingeschlafen. Ich hab mitgekriegt, dass Mama immer mal gucken kam, ob es mir gut ging, und auch ansonsten war alles gut. Ich hatte Gelegenheit, ganz in Ruhe anzukommen.Abends ging Mama dann in ihr Bett, nachdem sie mich versorgt und auch geknuddelt hatte. Ich hab es von der ersten Sekunde an geliebt, mit Mama zu schmusen, und daran hat sich bis heute nichts geändert.Als Mama dann eingeschlafen war, kam die andere Katze an und hat mir durch die Küchentür erst mal erklärt, wie die Dinge ihrer Meinung nach hier zu laufen haben. 1. Die erste halbe Stunde abends in Mamas Bett gehört ihr. Na von mir aus… 2. Sie bekommt zuerst Leckerchen. War ok, ich bin geduldig, und ich hatte genug Vertrauen zu meinem neuen Frauchen, dass ich mit nichts zu kurz komme.3. Wenn sie Lust hat, mit Mama zu schmusen, muss ich warten, bis sie fertig ist. Okay – Mama hat genug Liebe für das Kuscheln mit zwei Katzen.4. Ihr Kratzbaum ist der graue – meiner ist der helle. Als wenn die Farbe eine Rolle spielt – vom Aufbau her waren sie gleich.Naja eben alles, was bekräftigt, dass SIE die Nummer eins ist. Aber weil Mama mir ja erklärt hatte, dass diese Katze, die sie Julchen rief, es früher schwer gehabt hatte, hab ich sie gelassen. Ich hab also alles problemlos akzeptiert.Als Mama am nächsten Morgen in die Küche kam, ist Julchen schnell durch die Tür geschlüpft und hat mir gesagt, dass sie nix dagegen habe, wenn ich mir jetzt die restliche Wohnung anschaue. Natürlich unter ihrer Aufsicht. Mir gefiel mein neues Zuhause supergut. Julchen und ich haben uns recht schnell aneinander gewöhnt. Sie war – und ist - zwar eine ziemliche Zicke, aber wir haben uns auf eine friedliche Koexistenz geeinigt. Ich belästige sie nicht mit meinem Spieltrieb, dafür haut sie mir nicht dauernd auf die Nase, wenn ich ihr unbeabsichtigt zu nahe komme.Das hat sie echt geschickt eingefädelt – ich begann zu wachsen. Und ich wuchs und wuchs und wuchs. Jetzt bin ich viel viel größer als sie… Klar könnte ich die Dinge jetzt umdrehen, aber ich bin ein sozial eingestellter Stoiker – wäre mir viel zu anstrengend. Nach zwei Wochen packte Mama mich wieder in die Box. Ich dachte schon, ich hätte was falsch gemacht und sie würde mich wieder zurück ins Tierheim bringen. Aber sie fuhr ganz woanders hin. Da war so ein Mann, der guckte mir ins Mäulchen, steckte mir was in den Po und hielt was Kaltes an meinen Bauch. Das war ja schon doof – aber dann hat er mich ins Vorderbein gepiekst, und ich wurde sooo müde… Als ich wieder wach wurde, hatte ich ein komisches Plastikding um den Hals, und mir tat untenrum alles weh. Mama nahm mir das Plastikdingen am nächsten Tag ab, und ich schaute gleich nach, was da los war. War alles silbern! Ich hab zuerst gedacht, sie hätt mein Gemächt versilbern lassen, aber dann musste ich feststellen, dass ich gar kein Gemächt mehr hatte!!! Boah war ich sauer! Ich hab Mama zwei Tage lang ignoriert. Aber irgendwann hab ich mich dran gewöhnt, und alles war wieder gut.Nur hatte ich immer noch niemanden zum Spielen. Also hat Mama sich kurz mit Julchen abgesprochen, hat mich gefragt, ob ich lieber einen Kumpel oder eine Kumpeline hätte und fuhr los. Einen zweiten kleinen Kater holen. Sie fand ihn bei einer Pflegestelle für Kitten. Er war von Anfang an zu süß! Mama nannte ihn Lancelot.Er hat sich von der ersten Minute an in unsere Herzen geschlichen. Zwar mopste er uns viele Streicheleinheiten von Mama, er war frech wie ein Großer, aber soooooo süß! Riesengroße Kulleraugen, die immer ein bisschen erstaunt guckten. Oder den perfekten Unschuldsblick drauf hatten. Er war total verfressen und nahm ziemlich zu. Wann immer es ging, war er draußen. Er machte immer wieder Löcher in das Schutznetz und entwischte aufs Dach. Uns blieb jedes Mal fast das Herz stehen, wenn er auf dem Dach mit irgendwelchen Brocken spielte und dabei dem Dachrand gefährlich nahe kam. Ich habe Mama immer gerufen, wenn er wieder abgehauen war und sie hat ihn mit Leckerlies immer wieder zurückholen können. Da war seine Verfressenheit echt nützlich!Er war durch nichts zu erschüttern. Seine Fröhlichkeit war ansteckend. Er liebte jeden von uns; auch Julchen konnte ihn mit ihrer Zickerei nicht erschüttern. Ganz im Gegenteil – er tat ihr wahnsinnig gut. Klar brummte und fauchte sie ihn an – aber wir alle wussten, das war nur Show. Er hatte eine unbändige Lebensfreude, die einfach jeden in ihren Bann zog, egal wieviele Beine der / diejenige hatte. Er hatte scheinbar unbegrenzte Energiereserven – er spielte, rannte, kletterte ständig irgendwo rum. Manchmal fiel er mitten im Laufen einfach um und schlief ein. Die ersten Male hab ich mich total erschrocken, weil ich dachte, er sei krank. Aber er war einfach nur müde und hatte es zu spät gemerkt. Also ließ er sich einfach fallen, wo er grade war, schlief eine Runde und spielte dann weiter. Als Mama ihn kastrieren ließ, stand er ein paar Stunden später schon wieder auf seinen vier Beinchen und wollte schon wieder rumrennen. Unglaublich… er war durch nichts aufzuhalten.Irgendwann war mir dieses Energiebündel aber zuviel. Wir hatten uns nur noch in der Wolle… also hat Mama wieder nach einer kleinen Katze geschaut. Wir drei haben uns für ein Katzenmädchen ausgesprochen – zwei Jungs, zwei Mädchen wären doch perfekt.Und so kam Lilly zu uns. Gott war die klein! Oh Mann war die niedlich! Ich war schockverliebt. Jule war schockverliebt. Mama war schockverliebt. Und Lancelot? Sie eroberte sein Herz im Sturm – und umgekehrt.Kennt Ihr dieses Gefühl wenn bei Tetris alles passt? Wenn Ihr das letzte Puzzlestück einfügt? Wenn Ihr einen magischen Moment habt? Die perfekte Sekunde? So war es, als Lilly kam. Wir fünf waren zusammen mehr als die Summe der Einzelteile. Wir waren perfekt. Wir waren unschlagbar. Wir standen füreinander ein. Wir liebten uns. Und dann hatte Lancelot diesen schrecklichen Unfall und musste über die Regenbogenbrücke gehen.Wir waren wie paralysiert. Die Zeit stand still. Wir waren tagelang atemlos. Wir konnten es nicht fassen. Wir machten uns Vorwürfe. Hätten wir es verhindern können? Hätten wir ihm helfen können? Hätten wir…? Uns allen fehlte der rechte Appetit, aber für Lilly war es am schwersten. Sie hatte ihren Seelenverwandten zu früh und zu grausam verloren. Sie fraß nicht, sie schlief viel zu viel, sie war völlig apathisch, sie kapselte sich ab, sie biss, fauchte und kratzte, sie pieselte überall hin… wir machten uns Sorgen um die Kleine. Weder Julchen noch Mama noch ich kamen an sie heran. Dann erwischte ich einen Moment, in dem sie etwas zugänglich war und Kuscheleinheiten von Julchen und mir brauchte. Ich nahm sie in meine Arme und putzte sie erst mal gründlich... ihr Fell war schon ganz stumpf. Ich merkte, wie sie sich ganz langsam ein wenig entspannte und losließ. Ich hielt sie einfach fest, versuchte, ihr etwas Wärme und Geborgenheit zu geben. Endlich antwortete sie wieder, wenn ich mit ihr sprach. Nach einer Weile erklärte ich ihr, dass Mama sich sehr große Sorgen um sie machte und Angst hätte, sie auch noch zu verlieren. Das hat die Kleine wohl ein wenig wachgerüttelt, denn ab diesem Zeitpunkt suchte sie wieder mehr Mamas Nähe und begann auch wieder mit dem Fressen.Kurz danach setzte sich Mama mit uns zwei Großen hin und fragte, ob wir es für sinnvoll hielten, einen neuen kleinen Kater zu holen, um Lilly abzulenken. Das fanden wir eine sehr gute Idee.Und so machte sich Mama schweren Herzens erneut auf die Suche nach einem kleinen Kater. Wie der Kleine zu uns kam, war irgendwie auch wie ein Wink des Schicksals. Mama hatte an diesem Tag schon in paarmal in Kleinanzeigenmärkten geguckt, ob jemand Kitten abgeben wollte. Beim letzten Mal stieß sie auf eine Anzeige, die erst 5 Minuten vorher eingestellt worden war. Sie schrieb den Leuten eine Mail, in der sie das Zuhause beschrieb, wo der kleine Kerl hinkommen würde. Zehn Minuten später rief die Besitzerin schon an, und drei Stunden später zog Louis bei uns ein.Ich muss zugeben, der Kleine war drollig. Irgendwie passten Beinlänge und Körper noch nicht so richtig zusammen, die Ohren waren riesig im Verhältnis zum Köpfchen und dem Gesicht nach hätte er auch in Flughund oder Füchschen sein können. Er hatte natürlich keinen leichten Stand am Anfang. Wir standen ja immer noch unter Schock, und wir trauerten auch noch. Aber der Kleine fand durch seine kindliche Unbeschwertheit sehr schnell den Weg in unsere Herzen. Auch hatte Mama ihm schon ganz in Ruhe erklärt, wie die Situation war.Nur bei Lilly hatte er es sehr schwer. Sie brummte, fauchte und haute ihn.Mit viel Geduld nahm Mama Louis die Angst, indem sie ihm immer wieder erklärte, warum Lilly so böse zu ihm war. Und mit genau so viel Geduld führte sie Lilly und Louis zusammen. Anfangs standen die Näpfe der beiden in unterschiedlichen Zimmern, und zentimeterweise schob sie sie jeden Tag ein bisschen näher zusammen. Sie füllte Katzenmilch in einen Doppelnapf, so dass die beiden die Möglichkeit hatten, gleichzeitig zu trinken, ohne dass eine Konkurrenzsituation auftrat und sie auf diesem Wege anfangen konnten einander zu vertrauen. Julchen zeigte auf einmal eine ganz neue Seite. Sie war ja eh schon sehr gelassen mit dem Neuzugang umgegangen, was ich zunächst darauf zurückführte, dass es für sie schon Gewohnheit war, dass all paar Monate jemand Neues kam. Aber sie schien den Kleinen wirklich gern zu haben. Sie spielte mit ihm, und sie putzte ihn sogar! Das hatte sie mit mir oder auch mit den anderen noch nie getan! Das war natürlich eine sehr große Hilfe. Auch ich half, wo ich konnte. Ich nahm den Kleinen in Schutz, ich erklärte ihm aus Katzensicht warum Lilly ihn nicht akzeptierte, ich sagt ihm, er müsse einfach ein wenig Geduld haben und, wenn er könne, besonders lieb zu ihr sein. Ich beruhigte Lilly, ich war für sie da, wenn sie weinen oder kuscheln wollte. Ich versuchte, mit beiden zusammen zu spielen, und ganz langsam näherten sie sich an.Und nun ist Ruhe eingekehrt. Ganz ehrlich – je älter Louis wird, desto mehr wird er charakterlich wie Lancelot. Er und Lilly spielen mittlerweile zusammen wie Lilly und Lancelot. Sie laufen überall zusammen hin. Nun hat Mama zwei Zuschauer, wenn sie zur Toilette geht *gnihihi. Nun laufen zwei kleine Katzen über die Arbeitsplatte in der Küche, wenn Mama kocht oder die Näpfe füllt. Jetzt hat Mama einen rechts und einen links von sich sitzen, die beide gekrault werden möchten. Aber wenn Ihr jetzt denkt, dass Lilly die Vorreiterin ist, habt Ihr Euch geirrt – Louis ist immer der Initiator. Zu lustig – der kleine Kerl rennt irgendwohin und wartet darauf, dass Lilly hinterherkommt. Er kullert Bälle zu Lilly, und die beiden starten ein Pfötchenball-Match. Sie futtern gleichzeitig, sie pennen gleichzeitig. Kuscheln tun sie zwar noch nicht, aber ich bin sicher, das kommt noch. Langsam passen auch die Proportionen an Louis´ Körper. Trotzdem kann ich mir immer noch nicht so recht vorstellen, dass er mal genauso groß sein wird wie ich. Und ich? Ich habe immer noch alles im Blick. Es ist einfach meine Natur, dass ich immer vermitteln möchte, und das passt auch ganz gut. Jule ist halt eine Diva und entsprechend schnell genervt, da muss ich öfters mal dazwischengehen. Lilly braucht immer noch viele Kuscheleinheiten von uns Artgenossen, und da Jule zu zickig und Louis noch zu klein ist, bin ich halt der Kuschlinator *grins*. Aber das bin ich gerne. Mama sagt immer, wenn ich ein Mensch wäre, wär ich in Sozialarbeiter.Jedenfalls bin ich froh dass nun endlich wieder Ruhe eingekehrt ist.Das war nun meine Geschichte. Ich hoffe, sie hat Euch gefallen!In Liebe, Euer Schröder

22.11.16 12:10, kommentieren

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Wie alles begann

Ich heiße Julchen.Also zumindest ist das der Name, den meine Dosine mir gegeben hat.Geboren wurde ich Anfang 2010. Genaueres weiß ich nicht mehr. Aber ich weiß noch, dass ich es in meinem ersten Zuhause nicht gut hatte. Der menschliche Kater war sehr böse zu seiner menschlichen Katze, immer wenn er so was komisches aus braunen Flaschen getrunken hatte. Und sie hat dann immer geweint. Deswegen kann ich bis heute kein Klappern von Gläsern oder Flaschen ertragen und verstecke mich dann immer unterm Bett. Auch wenn Mama weint, laufe ich weg. Und wenn mich jemand von oben streicheln will, kann ich das auch nur ertragen, wenn ich den Menschen gut kenne. Naja jedenfalls hatte mein erstes Frauchen irgendwann ein Einsehen und gab mich ins Tierheim Oer-Erckenschwick. Sie war der Meinung, dass alles besser für mich wäre als ein Leben dauernd in Angst. Nun ja, ich warnicht besonders gesellig – ich kannte es ja nicht mehr, dass auch andere Katzen um mich herum waren. Deswegen hatte ich den Luxus eines Einzelzimmers. Da kamen öfters mal Menschen, gafften mich an, wollten mich anfassen – hallo? Ich bindoch kein Plüschtier, das jeder angrabbeln kann!!! Deswegen hab ich oft gefaucht und auch mal die Krallen ausgefahren. Und Menschenmänner mochte ich absolut nicht. Ist doch verständlich, oder? Und der Name, den ich dort bekam…Mareike. Wie kann man einer Schönheit wie mir so einen Namen geben? Tztztz…Vor etwas über zwei Menschenjahren kam dann dieTierheimleiterin mit zwei neuen Menschen. Ein Mann – naja den hab ich geflissentlich ignoriert. Und eine Frau. Die war mir sofort sympathisch – ließ mich in Ruhe, ließ mir mein eigenes Tempo – fand ich gut. Die wollte ich mir mal genauer angucken. Hach und sie roch so gut! Da wollte ich hin. Also mein süßestes Schnurren rausgekramt, Augenaufschlag wie ein Zentner Kohlen - hatte ich ja lange genug geübt – und drei Stunden später hatte ich ein neues Zuhause. Das war schön!Na gut, der Mann, der mit im Tierheim war, war zwar auch da, aber ich hab schnell rausgefunden, dass der meine Dosine nur ab und zu besuchte und nicht da wohnte. Das fand ich gut! Frauenhaushalt! Frauenpower! Yeah yeah!Ich fand auch schnell heraus, dass ich die erste Katze für mein Frauchen war. Deswegen habe ich natürlich versucht, es ihr so einfach wie möglich zu machen. War aber nicht so einfach, weil ich nicht ganz gesund war. Ich hatte oft Husten, ein paarmal eine Gastritis, und ich war natürlich sehr scheu. Aber Frauchen hat sich nicht beirren lassen. Sie ist immer treu und brav mit mir zum Tierarzt gefahren (was ich HASSE!!!), der hat mich dann immer so blöd gepiekt. Aber ich muss zugeben, es ging mir danach immer besser.Ich hab mich in meinem Zuhause bald wohlgefühlt. Ich konnte schlafen, wann und wo ich wollte, ich hatte einen tollen Kratzbaum, drei verschiedene Kuschelhöhlen, und ich konnte sogar in das Zimmer, das nur so eine halbe Wand hat… mein Frauchen nennt dieses Zimmer „Balkon“. Und es roch überallso gut! Nur mit dem Fressen hatte ich es nicht so. Und mit dem Spielen auch nicht. Und auch nicht mit dem Schmusen. Eigentlich war ich ganz zufrieden, wenn ich nur auf meinem Kratzbaum lag und aus dem Fenster schauen konnte. Aber mein Frauchen hatte die Befürchtung, dass mir langweilig war, und deswegen zog nach vier Monaten ein kleiner Kater ein.Mama hatte ihren Tierarzt angerufen und ihm erzählt, was die Tierheimtante gesagt hatte, und bat um Rat. Der Tierarzt sagte, mit einem jüngeren Kater sollte es keine Probleme geben.Grade als ich mich aufregen wollte, dass ich nicht gefragt wurde, kam Frauchen zu mir und fragte mich, was ich von einem Spielkumpel halten würde. Naja - eigentlich wollte ich Mama schon für mich alleine haben,aber ich war mir sicher, dass sie genug Platz für zwei Katzen in ihrem Herzen hat. Und wenn ein anderer Kater Mama auch aussucht, würden wir wohl einigermaßen ähnlich ticken, da sollte es wohl passen. Also maunzte ich mein Einverständnis.Frauchen zog also los, um einen kleinen Kater zu finden. Und so zog ein paar Tage später ein kleiner Tiger ein. Frauchen nannte ihn Schröder. Zur Feier des Tags bekam ich eine Extraportion meinerLieblingsleckerlies, und der Kleine blieb erst mal in der Küche. Damit konnte ich für den Anfang leben. Als Mama schlafen gegangen war, hab ich dem Kleinen durch die Küchentür erst mal erklärt, wie die Dinge hier laufen. 1. Die erste halbe Stunde abends in Mamas Bett gehört mir. 2. Ich bekomme zuerst Leckerchen. 3. Wenn ich Lust habe, mit Mama zu schmusen, muss er warten, bis ich fertig bin. 4. Mein Kratzbaum ist der graue – seiner ist der helle. Naja eben alles, was bekräftigt, dass ICH die Nummer eins bin. Er hat das auch problemlos akzeptiert, so dass ich, als Mama am nächstenMorgen in die Küche ging, schnell durch die Tür geschlüpft bin und ihr demonstriert habe, dass ich nix dagegen habe, wenn der Zwerg jetzt die restliche Wohnung begutachtet. Natürlich unter meiner Aufsicht. War schon lustig, wie er mit hocherhobenem Schwanz durch die Wohnung marschierte. Aber ansonsten fand ich ihn nervig – immer wollte er bloß spielen, und dauernd kam er mit irgendwelchen Plüschmäusen oder ähnlich nutzlosem Kram angelaufen. Ich hab ihm gesagt, dass er das lieber bei Mama machen soll, die fände das bestimmt süß. Was soll ich sagen… natürlich fand Mama das toll, weil sie dachte, der Kleine apportiert. Apportieren? Als Katze??? Also wirklich – Mama musste da echt noch dazulernen. Selbstverständlich hat Schröder ihr damit immer ein Geschenk gemacht! Mangels Freigang konnte er ja keine echten Mäuse ranschaffen, also waren es Plüschmäuse.Irgendwann hat er dann begriffen, dass ich keine verspielte Katze bin, sondern in erster Linie die Königin im Haus. Viva la Diva!!!Wir haben uns dann auf eine friedliche Koeexistenz geeinigt.Er lässt mich in Ruhe, dafür ziehe ich ihm nicht jedes Mal eins über die Nase,wenn er versehentlich meinen momentanen Hoheitsbereich betritt.Und ganz ehrlich – die Einigung kam keinen Moment zu früh.Denn er fing an zu wachsen. Und wuchs und wuchs und wuchs, bis er viel größer war als ich. Wäre er nicht so ein lieber und friedliche Kater, hätten wir mitSicherheit Probleme gekriegt. Oder besser, ich mit ihm. Aber so läuft es ganzgut. Klar kriegen wir uns auch mal inne Köppe, aber das ist ja normal – passiert Euch ja auch, oder?Nur hatte Mama jetzt ein Problem. Ich war zwar zufriedener und ausgeglichener, aber jetzt brauchte Schröder jemanden zum Spielen. Also machte Mama sich wieder auf die Suche und fand einen 12 Wochen alten Kater bei einer Kitten-Pflegestelle.Sie brachte den Kleinen mit nach Hause, und was soll ichsagen – ich fand es schwierig, mein Diventum auszuleben. Der Zwerg war zu niedlich! Das Theater mitder Küche haben wir uns geschenkt, denn Schröder und ich mochten ihn auf Anhieb.Diesmal durfte ich bei der Namensgebung mitreden.Ich bin ja keine unbelesene Katze. Meine Lieblingsgeschichte ist die von König Catthur. Ihr wisst schon - die Kater der Tafelrunde, Königin Catgraine, Cather Pendragon, Lady Guinecat, Morcat le Fay, Sir Catzival und die Suche nach dem Heiligen Napf… Und so bekam der Kleine den Namen Sir Catcelot. Na gut, Mama nannte ihn Lancelot,aber passte schon.Er hat sich von der ersten Minute an in unsere Herzen geschlichen. Zwar mopste er uns viele Streicheleinheiten von Mama, er war frech wie ein Großer, aber soooooo süß! Riesengroße Kulleraugen, die immer ein bisschen erstaunt in die Welt guckten. Oder den perfekten Unschuldsblick drauf hatten. Wenn es um Futter ging, war erfast schon außer Rand und Band und wurde langsam schon ein kleiner Moppel. Wann immer es ging, war er draußen. Er legte eine erstaunliche Beharrlichkeit an denTag, um das Schutznetz zu zerrupfen, das den Balkon sicherte, und machte immer wieder neue Löcher darein. Uns blieb jedes Mal fast das Herz stehen, wenn er wieder mal auf dem Dach mitirgendwelchen Brocken spielte und dabei dem Dachrand gefährlich nahe kam. Aber gottseidank ließ er sich mit Leckerchen oder Baldriankissen immer wieder recht schnell zurücklocken. Dass ich ihn so lieb hatte, hab ich mir natürlich nicht anmerken lassen. Aber immer, wenn Mama nicht in der Nähe war, hab ich schon mit ihm gespielt und auch geschmust und ihn geputzt. Schröder war der perfekte große Bruder. Er passte auf, er schmuste mit Lancelot, er spielte mit ihm – was große Brüder eben so machen (hab ich zumindest so gehört).Aber irgendwann wurde es sogar Schröder zuviel. Der Kleine war einfach zu temperamentvoll. Und da Mama keine halben Sachen macht, kam im Februar Lilly zu uns und komplettierte unser Kleeblatt.Ein 9 Wochen altes Fellknäuel (ja Mama weiß, dass das Früheste 10 Wochen sind, aber das Frauchen von Lillys Mama hatte sich *hüstel*verrechnet). Eine supersüße kleine Schwester. Eine Prinzessin. Und der perfekte Glücksfall. Ab dem 5. Tag waren sie und Lancelot unzertrennlich. Sie schmusten, sie spielten, sie kuschelten, sie putzten sich gegenseitig, und sie schliefen nur zusammen. Perfekt - Schröder und ich hatten unsere Ruhe, die beiden Kleinen beschäftigten sich zusammen –wie im Film.Im Juni starb Lancelot. Ich kann noch nicht über das Wie reden, es ist zu schmerzhaft.Wir drei waren alle traumatisiert, aber Lilly traf esbesonders hart. Die ersten Tage haben wir alle kaum gefressen, viel geschlafen, und wir alle brauchten Mamas Nähe. Mama und wir trösteten uns gegenseitig, aber Lilly war wie gelähmt. Sie fraß nicht, schlief viel, spielte nicht, pieselte überall hin… es brach mir das Herz, sie so zu sehen.So langsam erholen wir uns, aber der kleine Ritter hat eine große Lücke hinterlassen. Mama hat dann auch sehr schnell gesehen, dass Lilly Ablenkung brauchte. Also machte sie sich schweren Herzens wieder mal auf die Suche nach einem kleinen Kater. Und jetzt lebt seit vier Wochen Louis bei uns. Ein kleiner braun-schwarz getigerter Kater mit einem Gesichtchen wie ein Flughund. OderFuchs. Oder Gremlin *grins. Er ist jetzt dreieinhalb Monate alt. Ein kleinerWirbelwind mit Hummeln im Hintern, einem immensen Schmusebedürfnis und einem Appetit wie ein ausgewachsener Berglöwe. Er ist so lustig! Wenn er um die Eckefegt, sieht das aus wie im Comic – seine Hinterbeinchen kommen manchmal bei demTempo seiner Vorderpfötchen nicht mit *gnihihi* - wenn es mal eine Katzenverfilmung von „Fast & Furious Tokyo Drift“ gibt, ist er ein heißer Anwärter auf die Hauptrolle. Er springt über Distanzen und in Höhen, die nicht mal ich hinkriege, und er fegt die Kratzbäume rauf und runter wie ein Derwisch. Ich bin die dauernden Neuzugänge ja mittlerweile gewohnt,deswegen hab ich kein Drama draus gemacht. Auch Schröder nahm den Neuengelassen zur Kenntnis. Aber Lilly hat ihn die erst Woche nur angebrummt, die zweite Woche angefaucht, aber so langsam freunden die beiden sich an. Gestern haben sie das erste Mal aus einem Napf gefressen, und Lilly hat zugelassen, dass Louis sie putzt. Wird also alles gut, hoffe ich.So, das war nun meine Geschichte. Ich hoffe, sie hat Euchgefallen!

21.11.16 13:17, kommentieren