Wie alles begann

Ich heiße Julchen.Also zumindest ist das der Name, den meine Dosine mir gegeben hat.Geboren wurde ich Anfang 2010. Genaueres weiß ich nicht mehr. Aber ich weiß noch, dass ich es in meinem ersten Zuhause nicht gut hatte. Der menschliche Kater war sehr böse zu seiner menschlichen Katze, immer wenn er so was komisches aus braunen Flaschen getrunken hatte. Und sie hat dann immer geweint. Deswegen kann ich bis heute kein Klappern von Gläsern oder Flaschen ertragen und verstecke mich dann immer unterm Bett. Auch wenn Mama weint, laufe ich weg. Und wenn mich jemand von oben streicheln will, kann ich das auch nur ertragen, wenn ich den Menschen gut kenne. Naja jedenfalls hatte mein erstes Frauchen irgendwann ein Einsehen und gab mich ins Tierheim Oer-Erckenschwick. Sie war der Meinung, dass alles besser für mich wäre als ein Leben dauernd in Angst. Nun ja, ich warnicht besonders gesellig – ich kannte es ja nicht mehr, dass auch andere Katzen um mich herum waren. Deswegen hatte ich den Luxus eines Einzelzimmers. Da kamen öfters mal Menschen, gafften mich an, wollten mich anfassen – hallo? Ich bindoch kein Plüschtier, das jeder angrabbeln kann!!! Deswegen hab ich oft gefaucht und auch mal die Krallen ausgefahren. Und Menschenmänner mochte ich absolut nicht. Ist doch verständlich, oder? Und der Name, den ich dort bekam…Mareike. Wie kann man einer Schönheit wie mir so einen Namen geben? Tztztz…Vor etwas über zwei Menschenjahren kam dann dieTierheimleiterin mit zwei neuen Menschen. Ein Mann – naja den hab ich geflissentlich ignoriert. Und eine Frau. Die war mir sofort sympathisch – ließ mich in Ruhe, ließ mir mein eigenes Tempo – fand ich gut. Die wollte ich mir mal genauer angucken. Hach und sie roch so gut! Da wollte ich hin. Also mein süßestes Schnurren rausgekramt, Augenaufschlag wie ein Zentner Kohlen - hatte ich ja lange genug geübt – und drei Stunden später hatte ich ein neues Zuhause. Das war schön!Na gut, der Mann, der mit im Tierheim war, war zwar auch da, aber ich hab schnell rausgefunden, dass der meine Dosine nur ab und zu besuchte und nicht da wohnte. Das fand ich gut! Frauenhaushalt! Frauenpower! Yeah yeah!Ich fand auch schnell heraus, dass ich die erste Katze für mein Frauchen war. Deswegen habe ich natürlich versucht, es ihr so einfach wie möglich zu machen. War aber nicht so einfach, weil ich nicht ganz gesund war. Ich hatte oft Husten, ein paarmal eine Gastritis, und ich war natürlich sehr scheu. Aber Frauchen hat sich nicht beirren lassen. Sie ist immer treu und brav mit mir zum Tierarzt gefahren (was ich HASSE!!!), der hat mich dann immer so blöd gepiekt. Aber ich muss zugeben, es ging mir danach immer besser.Ich hab mich in meinem Zuhause bald wohlgefühlt. Ich konnte schlafen, wann und wo ich wollte, ich hatte einen tollen Kratzbaum, drei verschiedene Kuschelhöhlen, und ich konnte sogar in das Zimmer, das nur so eine halbe Wand hat… mein Frauchen nennt dieses Zimmer „Balkon“. Und es roch überallso gut! Nur mit dem Fressen hatte ich es nicht so. Und mit dem Spielen auch nicht. Und auch nicht mit dem Schmusen. Eigentlich war ich ganz zufrieden, wenn ich nur auf meinem Kratzbaum lag und aus dem Fenster schauen konnte. Aber mein Frauchen hatte die Befürchtung, dass mir langweilig war, und deswegen zog nach vier Monaten ein kleiner Kater ein.Mama hatte ihren Tierarzt angerufen und ihm erzählt, was die Tierheimtante gesagt hatte, und bat um Rat. Der Tierarzt sagte, mit einem jüngeren Kater sollte es keine Probleme geben.Grade als ich mich aufregen wollte, dass ich nicht gefragt wurde, kam Frauchen zu mir und fragte mich, was ich von einem Spielkumpel halten würde. Naja - eigentlich wollte ich Mama schon für mich alleine haben,aber ich war mir sicher, dass sie genug Platz für zwei Katzen in ihrem Herzen hat. Und wenn ein anderer Kater Mama auch aussucht, würden wir wohl einigermaßen ähnlich ticken, da sollte es wohl passen. Also maunzte ich mein Einverständnis.Frauchen zog also los, um einen kleinen Kater zu finden. Und so zog ein paar Tage später ein kleiner Tiger ein. Frauchen nannte ihn Schröder. Zur Feier des Tags bekam ich eine Extraportion meinerLieblingsleckerlies, und der Kleine blieb erst mal in der Küche. Damit konnte ich für den Anfang leben. Als Mama schlafen gegangen war, hab ich dem Kleinen durch die Küchentür erst mal erklärt, wie die Dinge hier laufen. 1. Die erste halbe Stunde abends in Mamas Bett gehört mir. 2. Ich bekomme zuerst Leckerchen. 3. Wenn ich Lust habe, mit Mama zu schmusen, muss er warten, bis ich fertig bin. 4. Mein Kratzbaum ist der graue – seiner ist der helle. Naja eben alles, was bekräftigt, dass ICH die Nummer eins bin. Er hat das auch problemlos akzeptiert, so dass ich, als Mama am nächstenMorgen in die Küche ging, schnell durch die Tür geschlüpft bin und ihr demonstriert habe, dass ich nix dagegen habe, wenn der Zwerg jetzt die restliche Wohnung begutachtet. Natürlich unter meiner Aufsicht. War schon lustig, wie er mit hocherhobenem Schwanz durch die Wohnung marschierte. Aber ansonsten fand ich ihn nervig – immer wollte er bloß spielen, und dauernd kam er mit irgendwelchen Plüschmäusen oder ähnlich nutzlosem Kram angelaufen. Ich hab ihm gesagt, dass er das lieber bei Mama machen soll, die fände das bestimmt süß. Was soll ich sagen… natürlich fand Mama das toll, weil sie dachte, der Kleine apportiert. Apportieren? Als Katze??? Also wirklich – Mama musste da echt noch dazulernen. Selbstverständlich hat Schröder ihr damit immer ein Geschenk gemacht! Mangels Freigang konnte er ja keine echten Mäuse ranschaffen, also waren es Plüschmäuse.Irgendwann hat er dann begriffen, dass ich keine verspielte Katze bin, sondern in erster Linie die Königin im Haus. Viva la Diva!!!Wir haben uns dann auf eine friedliche Koeexistenz geeinigt.Er lässt mich in Ruhe, dafür ziehe ich ihm nicht jedes Mal eins über die Nase,wenn er versehentlich meinen momentanen Hoheitsbereich betritt.Und ganz ehrlich – die Einigung kam keinen Moment zu früh.Denn er fing an zu wachsen. Und wuchs und wuchs und wuchs, bis er viel größer war als ich. Wäre er nicht so ein lieber und friedliche Kater, hätten wir mitSicherheit Probleme gekriegt. Oder besser, ich mit ihm. Aber so läuft es ganzgut. Klar kriegen wir uns auch mal inne Köppe, aber das ist ja normal – passiert Euch ja auch, oder?Nur hatte Mama jetzt ein Problem. Ich war zwar zufriedener und ausgeglichener, aber jetzt brauchte Schröder jemanden zum Spielen. Also machte Mama sich wieder auf die Suche und fand einen 12 Wochen alten Kater bei einer Kitten-Pflegestelle.Sie brachte den Kleinen mit nach Hause, und was soll ichsagen – ich fand es schwierig, mein Diventum auszuleben. Der Zwerg war zu niedlich! Das Theater mitder Küche haben wir uns geschenkt, denn Schröder und ich mochten ihn auf Anhieb.Diesmal durfte ich bei der Namensgebung mitreden.Ich bin ja keine unbelesene Katze. Meine Lieblingsgeschichte ist die von König Catthur. Ihr wisst schon - die Kater der Tafelrunde, Königin Catgraine, Cather Pendragon, Lady Guinecat, Morcat le Fay, Sir Catzival und die Suche nach dem Heiligen Napf… Und so bekam der Kleine den Namen Sir Catcelot. Na gut, Mama nannte ihn Lancelot,aber passte schon.Er hat sich von der ersten Minute an in unsere Herzen geschlichen. Zwar mopste er uns viele Streicheleinheiten von Mama, er war frech wie ein Großer, aber soooooo süß! Riesengroße Kulleraugen, die immer ein bisschen erstaunt in die Welt guckten. Oder den perfekten Unschuldsblick drauf hatten. Wenn es um Futter ging, war erfast schon außer Rand und Band und wurde langsam schon ein kleiner Moppel. Wann immer es ging, war er draußen. Er legte eine erstaunliche Beharrlichkeit an denTag, um das Schutznetz zu zerrupfen, das den Balkon sicherte, und machte immer wieder neue Löcher darein. Uns blieb jedes Mal fast das Herz stehen, wenn er wieder mal auf dem Dach mitirgendwelchen Brocken spielte und dabei dem Dachrand gefährlich nahe kam. Aber gottseidank ließ er sich mit Leckerchen oder Baldriankissen immer wieder recht schnell zurücklocken. Dass ich ihn so lieb hatte, hab ich mir natürlich nicht anmerken lassen. Aber immer, wenn Mama nicht in der Nähe war, hab ich schon mit ihm gespielt und auch geschmust und ihn geputzt. Schröder war der perfekte große Bruder. Er passte auf, er schmuste mit Lancelot, er spielte mit ihm – was große Brüder eben so machen (hab ich zumindest so gehört).Aber irgendwann wurde es sogar Schröder zuviel. Der Kleine war einfach zu temperamentvoll. Und da Mama keine halben Sachen macht, kam im Februar Lilly zu uns und komplettierte unser Kleeblatt.Ein 9 Wochen altes Fellknäuel (ja Mama weiß, dass das Früheste 10 Wochen sind, aber das Frauchen von Lillys Mama hatte sich *hüstel*verrechnet). Eine supersüße kleine Schwester. Eine Prinzessin. Und der perfekte Glücksfall. Ab dem 5. Tag waren sie und Lancelot unzertrennlich. Sie schmusten, sie spielten, sie kuschelten, sie putzten sich gegenseitig, und sie schliefen nur zusammen. Perfekt - Schröder und ich hatten unsere Ruhe, die beiden Kleinen beschäftigten sich zusammen –wie im Film.Im Juni starb Lancelot. Ich kann noch nicht über das Wie reden, es ist zu schmerzhaft.Wir drei waren alle traumatisiert, aber Lilly traf esbesonders hart. Die ersten Tage haben wir alle kaum gefressen, viel geschlafen, und wir alle brauchten Mamas Nähe. Mama und wir trösteten uns gegenseitig, aber Lilly war wie gelähmt. Sie fraß nicht, schlief viel, spielte nicht, pieselte überall hin… es brach mir das Herz, sie so zu sehen.So langsam erholen wir uns, aber der kleine Ritter hat eine große Lücke hinterlassen. Mama hat dann auch sehr schnell gesehen, dass Lilly Ablenkung brauchte. Also machte sie sich schweren Herzens wieder mal auf die Suche nach einem kleinen Kater. Und jetzt lebt seit vier Wochen Louis bei uns. Ein kleiner braun-schwarz getigerter Kater mit einem Gesichtchen wie ein Flughund. OderFuchs. Oder Gremlin *grins. Er ist jetzt dreieinhalb Monate alt. Ein kleinerWirbelwind mit Hummeln im Hintern, einem immensen Schmusebedürfnis und einem Appetit wie ein ausgewachsener Berglöwe. Er ist so lustig! Wenn er um die Eckefegt, sieht das aus wie im Comic – seine Hinterbeinchen kommen manchmal bei demTempo seiner Vorderpfötchen nicht mit *gnihihi* - wenn es mal eine Katzenverfilmung von „Fast & Furious Tokyo Drift“ gibt, ist er ein heißer Anwärter auf die Hauptrolle. Er springt über Distanzen und in Höhen, die nicht mal ich hinkriege, und er fegt die Kratzbäume rauf und runter wie ein Derwisch. Ich bin die dauernden Neuzugänge ja mittlerweile gewohnt,deswegen hab ich kein Drama draus gemacht. Auch Schröder nahm den Neuengelassen zur Kenntnis. Aber Lilly hat ihn die erst Woche nur angebrummt, die zweite Woche angefaucht, aber so langsam freunden die beiden sich an. Gestern haben sie das erste Mal aus einem Napf gefressen, und Lilly hat zugelassen, dass Louis sie putzt. Wird also alles gut, hoffe ich.So, das war nun meine Geschichte. Ich hoffe, sie hat Euchgefallen!

21.11.16 13:17

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